Tipps

Tipps zur Sportfotografie

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Immer wieder werde ich von Leuten gefragt, wie sie gute Sportbilder machen können.

Der Anlass zum Einstieg in die Sportfotografie ist oft, den Sohn oder die Tochter bei der Ausübung ihres Sportes aufzunehmen oder bei einem Firmenevent das fotografische festhalten eines Fußball Turniers.

Einleitend möchte ich darauf hinweisen, dass professionelle Sportfotografie eine Materialschlacht ist. Die Bilder, die ihr tagtäglich in Zeitungen seht, sind in der Regel von erfahrenen Fotografen mit Equipment aus dem fünfstelligen Eurobereich vor ihrem Auge gemacht. Also geht bitte nicht mit der falschen Erwartungshaltung an euren Versuch, Sport zu fotografieren.

Dass es auch ohne entsprechendes Equipment funktioniert versuche ich euch hier zu erklären.

Wenn ihr euch die Bilder zu diesem Artikel anschaut, dann sind das sicherlich nicht die tollsten Sportbilder, die ihr jemals gesehen habt. Sie reichen aber aus, um in Zeitschriften, Webseiten ja sogar bei Sportevents auf Großleinwänden gezeigt zu werden.

Um sportliche Bewegungen adäquat festhalten zu können, sind relativ kurze Belichtungszeiten notwendig. Es hat bei mir einige Zeit gebraucht, bis ich die richtigen Einstellungen gefunden habe um diese Fotos zu machen. Unter einer 1/500 Sekunde würde ich es erst gar nicht versuchen. Positive Auswirkung dieser Belichtungszeit ist, dass ihr keine teureren Objektive mit Verwacklungsschutz braucht.

Es gibt eine wichtige Voraussetzung beim Hallensport, aber auch bei Spielen unter Flutlicht. Ihr braucht ISO2000 – mindestens. Wenn ihr keine Kamera habt, die bei diesen ISO Werten brauchbares aufnehmen kann, dann wird es sehr schwierig etwas scharfes zu fotografieren.

Tipp: lebt mit der Bewegungsunschärfe und baut sie in das Bild ein. Ein Laufduell kann so prima fotografiert werden, ein Kopfballduell eher nicht.

In der Regel werden Sportbilder mit großen Brennweiten fotografiert. Zum einen kann ich so einen Zweikampf auch weiter entfernt fotografieren und da es sich um Objektive mit großer Offenblende handelt, kann ich so den Zweikampf auch schön vor dem meist unruhigen Hintergrund freistellen.

Mein Tipp: probiert es hinter dem Tor und wartet auf einen Angriff. Beim Fußball oder Handball klappt es auch mit einem kleinen Tele. So sind zum Beispiel 85mm am Crop für Handball eine tolle Brennweite für kampfbetonte Bilder am Torraum.

Meistens ist der Sport, den ihr fotografieren wollt, schnell. Kurze Belichtungszeiten sind das eine, aber viel wichtiger ist eigentlich die Auslöseverzögerung der Kamera. Bei meinem ersten Eishockeyspiel bei 9 Bilder pro Sekunde war trotzdem nur ein Bild mit Puck dabei.

Ihr müsst den Sport kennen, den ihr fotografiert. Nur so habt ihr eine Chance gegen die Auslöseverzögerung der Kamera zu gewinnen.

Bei einem hochklassigen Spiel mache ich rund 400 Bilder. Vielleicht 100 der Bilder davon sind gut.. Wenn ich Glück habe, ist ein Bild so gut, dass ich es mir ohne aktuellen Bezug auch noch in einem halben Jahr anschaue.

Mein Tipp für euch: fotografiert viel, aber seid sehr sparsam mit dem Zeigen. Der Ausschuss ist riesig.

Ich würde euch auch empfehlen, in JPG zu fotografieren und nicht in RAW. Zum einen bekommt eure Kamera vermutlich so mehr Bilder pro Sekunde hin und zum zweiten schmeißt ihr eh viele weg. Es ist immer sinnvoll im M-Modus zu fotografieren. Bestimmt anfänglich die Belichtungszeit und stellt diese auf eurer Kamera ein. Achtet auch auf den Weißabgleich. Grade in Hallen mit Kunstbeleuchtung ist es erforderlich, den automatischen Weißabgleich auszuschalten. Dadurch gewinnt ihr ebenfalls ein paar Millisekunden, die die Kamera nicht rechnen muss. Macht am Anfang ein Foto mit der Automatik und schaut nach, welche Farbtemperatur die Kamera gewählt hat. Danach könnt ihr die Kamera einstellen.

Flutlicht beim Fußball. Das ist in den Ecken oft eine Blende und mehr dunkler als in der Mitte. Da es hier aber nicht so starke Unterschiede im Hintergrund gibt – der in der Regel dunkel ist – könnt ihr hier die ISO Automatik oder Blendenautomatik verwenden. Ihr müsst nur die richtige Belichtungskorrektur finden und einstellen.

Single Shot oder High Speed? Beides hat Vor- und Nachteile. Probiert aus, was euch besser liegt.

Und nehmt genügend Speicherkarten mit. Ca 30% der Bilder entstehen in den letzten 10 Minuten. Die Dramatik der letzten Spielminuten kann die besten emotionalen Momente bringen. Wäre schade, wenn ihr da keine Speicherkapazität mehr habt.

Achtet bei eurer Position auch auf den Hintergrund. Teleobjektive holen entfernte Dinge nah ran und bei “preiswerteren” Objektiven ist die benötigte Blende für scharfe Bilder eventuell so klein, dass auch der Hintergrund scharf ist. (Stichwort: Hyperfokaldistanz!) Da lenkt es den Betrachter des Bildes schnell ab, wenn irgendwas aus dem Körper des Sportlers wächst. Es gilt das gleiche, wie auch bei Portraitfotos – aber es ist schwieriger umzusetzen.

Zum Schluss noch ein ganz wichtiger Tipp: lösen.

Und zwar von der eigentlichen Situation.

Gerade bei großen Spielfeldern bekommt ihr den Zweikampf auf der anderen Seite einfach nicht vernünftig fotografiert. Ärgert euch nicht.

Schaut dann ruhig, was um euch herum passiert. Fluchende oder jubelnde Zuschauer oder Trainer können auch ein gutes Bild ergeben.

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Das oben angeführte gilt übrigens hauptsächlich für Ball- und Mannschaftssportarten. Motorsport ist viel einfacher zu fotografieren, weil mit längeren Belichtungszeiten gearbeitet werden kann. Die Bewegungen der Fahrzeuge sind in der Regel leichter vorherzusehen. Mein Tipp: Stellt euch in die Kurven, denn da sind die Fahrzeuge langsamer als auf Geraden, und als Einstiegsbelichtungszeit kannst du den Kehrwert der Geschwindigkeit wählen (Fährt das Auto mit 80km/h an einem vorbei beträgt die Belichtungszeit 1/80s)

Gut ist es, im Inneren der Kurve zu stehen und da eher am Kurvenausgang – besonders bei Motorradfahrern: achtet einfach, auf welchen Punkt der Fahrer am Ende der Kurve schaut, da stellt ihr euch hin. Nehmt einen besonders tiefen Kamerastandpunkt ein, am besten ihr legt euch hin.

Achtet bitte immer auf eure eigene Sicherheit. Schon ein Handball kann – an den Kopf geworfen – sehr wehtun. Sprecht eure Standorte im Zweifelsfall mit Veranstalter und/oder Sportler ab. Die freuen sich übrigens in der Regel über tolle Bilder. Manchmal entstehen so weitere interessante Möglichkeiten zum Fotografieren.

Bildrechte ist eigentlich ein separates Thema. Nur kurz: Du darfst Zuschauer bei einer öffentlichen Veranstaltung fotografieren ohne zusätzliche nachfragen. Sollte jemand grundsätzlich etwas dagegen haben, muss er dir dies entsprechend mitteilen.

Ich bin da immer sehr zurückhaltend.