Wie erstelle ich meine Porträts

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Eine oft gestellte Frage an mich ist, wie ich meine Porträts mache.

Meistens kommt die Frage, welches Licht ich nehme und wie ich dieses setzte. Welche Einstellungen an der Kamera ich vornehme. Wie ich die Bildbearbeitung mache.

Ich bin Fotograf und kein Bildbearbeiter.

Das bedeutet ich nehme mir für ein Shooting viel Zeit.

Sei es im Vorfeld mit der Planung nach geeigneten Orten, dem richtigen Zeitpunkt (Sonnenstand) um das Foto zu machen, dem Model welches dort hineinpasst und eventueller Hilfe durch zusätzliche Menschen.

Ich bearbeite meine Bilder kaum da ich bereits beim Shooting darauf achte, dass der Bildaufbau, der Ausdruck des Models und das Lichtsetup stimmen.

Im Laufe der Zeit lernt man, wie man Lichter gezielt einsetzen kann. Sei es als available light oder mit Unterstützung von Blitzen oder Aufhellern.

In den typischen Tutorials wird meistens der Blick auf die Technik wiedergeben.

Welcher Blitz mit welchem Lichtformer in welchem Winkel und Abstand gesetzt wird, welche Kamera mit welcher Linse und alle die anderen technischen Details.

Der Mensch vor der Kamera ist wichtig

Bei der ganzen Technik vergessen viele den wichtigsten Teil bei der Porträtfotografie, dem Menschen vor der Kamera.

Oh, da war ja noch jemand den man fotografieren möchte.

Viele Fotografen kümmern sich nicht genug um ihn. Aber genau die Stimmung des Models spiegelt sich in einem guten Porträtfoto wieder.

Aber wie erreiche ich es, dass sich das Model wohlfühlt?

Es gibt jede Menge Tutorials zum Thema Modelführung im Netz oder als Buch. Dort steht genau, was man sagen darf und was nicht, welche Anweisungen Sinn machen und was man besser vermeiden sollte.

Man kann sich das als Anfänger ruhig ansehen, Sinn machen tut es meiner Meinung nach nicht.  Es gibt einfach kein Patentrezept. Jeder Mensch ist völlig anders. Und zwar sowohl die Menschen vor als auch hinter der Kamera. Jeder Mensch vor der Kamera muss individuell behandelt werden, damit er sich wohl fühlt. Es gibt nur einen sinnvollen und wirklich allgemeingültigen Tipp für einen Fotografen: spielt keine Rolle. Seid, wer Ihr seid. Verstellt Euch nicht, nur dann werdet Ihr ernst genommen.

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Gute Porträts sind einfach

Richtig gute Porträts sind schlicht.

Kein Schnickschnack Drumherum. Nichts lenkt den Blick ab. Nur der Mensch vor der Kamera und seine Emotionen. So gelingt ein Blick auf und in die Seele des Menschen den man ablichtet.

Dieser Blick auf den Menschen muss, bevor man die Kamera das erste Mal an’s Auge nimmt, erlernt werden.

Dazu braucht es vor allem Neugier und echtes Interesse an dem Menschen, den man ablichten will. Fehlt dieses Interesse und man beschäftigt sich nicht mit den Menschen, die man fotografiert, wird kein gutes Porträt entstehen. Wer nur auf seine Technik fokussiert ist, wird allenfalls technisch gute Bilder machen, aber niemals Bilder, die einen Betrachter fesseln können.

Vor dem eigentlichen Shooting findet bei mir immer ein Gespräch statt.

Das Model sitzt und ich sitze ihm / ihr gegenüber. Völlig entspannt.

Lasst das Model ruhig näher zu euch rücken. Auch die Stimme ist ein wichtiges Instrument. Je näher ihr euch seid (es muss natürlich eine gewisse Distanz gewahrt bleiben), umso mehr kann ich die Stimme senken und dadurch bereits eine andere und ruhigere Atmosphäre schaffen.

Reden, sich mit der Geschichte des Models auseinandersetzten, welche Vorlieben / Hobbys hat es. Nachfragen welches das Lieblingsgericht ist. All das baut ein Vertrauensverhältnis auf und unterstützt mich in meiner Arbeit mit dem Model.

Ein wenig small-talk, ein paar Aufnahmen außerhalb des eigentlichen Sets.

Kein Stress! Wartet, bis der Mensch vor Eurer Kamera zur Ruhe kommt. Ich brauche einen lockeren und unaufgeregten Menschen.

Wenn ihr auf das Gesicht eures Models schaut, könnt ihr die Anspannung an den Wangenknochen erkennen. Oft lasse ich meine Modelle einfache Übungen ausführen. Zunge rausstrecken ist eine davon. Wenn ich sehe, das alles passt gehen wir ins eigentliche Set.

Denkt Euch keine komplizierten Sets aus. Lasst das Model nicht akrobatische Übungen machen. Viele meiner Bilder entstehen im Sitzen. Auch das entspannt. Sobald ein Model steht, spannt es sich automatisch an.

Während die ersten Fotos entstehen rede ich mit dem Model. Ich mache in der Zeit auch immer noch kleiner Korrekturen an der Kamera bis mir die Belichtung gefällt.

Wichtig ist, auch dem Model immer die Fotos zu zeigen.

Wer jetzt glaubt, es entstehen dabei Massen an Bildern, den muss ich enttäuschen. Ich halte nichts davon, 400 Fotos zu schießen um dann 380 davon auszusortieren. Oft entstehen lediglich 10 Fotos die dann aber auch alle genommen werden können.

Natürliche Portraits

Gute Porträts sollten eines sein: natürlich und authentisch. Dieser Begriff wird in heutiger Zeit leider inflationär und selten zu Recht verwendet, wenn von Porträts die Rede ist.

Wenn ich mir die Fotos bei Facebook ansehe zeigt es in erster Linie „natürliche Porträts“ von jungen Frauen die entweder heftig geschminkt und zum Teil zu Tode retuschiert sind. Alles ganz „sinnlich“ und „natürlich“, wobei sich das „sinnlich“ meist auf die Tatsache beschränkt, dass die junge Frau nur halb oder gar nicht bekleidet ist.

Natürlichkeit ist an den Bildern nichts mehr. Leider ist vielen der Blick für Natürlichkeit völlig abhandengekommen.

Stark geschminkt ist nicht natürlich! Und zur Beauty-Retusche in Photoshop habe ich bereit in einem anderen Beitrag etwas geschrieben.

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